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Madeira – Portugal

Madeira ist eine Insel, die sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt. Zu klein für einen Kontinent, aber landschaftlich so abwechslungsreich, dass man innerhalb eines Tages gefühlt durch mehrere Klimazonen reist.

Madeira – die Insel, auf der irgendwie alles gleichzeitig passiert

Madeira ist eine Insel, die man nur schwer beschreiben kann, ohne dabei ein bisschen zu übertreiben. Das Problem: Man muss es gar nicht.

Auf gerade einmal 741 Quadratkilometern findet man hohe Berge, dichten Urwald, Wasserfälle, spektakuläre Steilküsten, tropische Pflanzen, natürliche Meeresschwimmbecken und eine Hauptstadt, die sich an den Hang schmiegt. Madeira ist rund 57 Kilometer lang und an der breitesten Stelle gerade einmal 22 Kilometer breit. Trotzdem kann man morgens in den Bergen frieren und wenige Stunden später bei angenehmen Temperaturen am Meer sitzen.

Kurz gesagt: Madeira ist klein, aber offenbar hatte die Natur bei der Gestaltung der Insel sehr viel vor.

Madeira ist eigentlich ein riesiger Vulkan

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs. Und das merkt man auch.

Schwarze Felsen, steile Küsten, tiefe Täler und eine Landschaft, die teilweise aussieht, als hätte jemand beim Erstellen der Insel sämtliche Regler gleichzeitig nach oben geschoben.

Flache Landschaften? Eher selten.

Dafür geht es auf Madeira meistens entweder bergauf, bergab oder man fragt sich gerade, wie diese Straße überhaupt dort hingebaut werden konnte.

Ein kleiner Ausflug durch mehrere Klimazonen

Eine der interessantesten Eigenschaften Madeiras ist die enorme landschaftliche Vielfalt auf kleinstem Raum.

Die Nordküste ist deutlich grüner und feuchter, während der Süden häufig sonniger und trockener ist. Dazu kommt das zentrale Bergmassiv mit Gipfeln wie dem Pico Ruivo, der mit 1.862 Metern der höchste Berg Madeiras ist. (Visit Madeira)

Das bedeutet für Urlauber: Man sollte beim Tagesausflug nicht automatisch davon ausgehen, dass das Wetter am Ziel genauso aussieht wie vor dem Hotel.

Auf Madeira kann strahlender Sonnenschein, Nebel und Regen durchaus Teil desselben Tages sein. Wer morgens ohne Jacke losfährt und nachmittags im Nebel steht, hat also nicht unbedingt etwas falsch gemacht. Er ist wahrscheinlich einfach nur auf Madeira unterwegs.

Der Wald, der älter ist als so ziemlich alles, was wir kennen

Mitten auf Madeira wächst ein echter Natur-Schatz: der Laurissilva-Wald.

Dieser subtropische Lorbeerwald ist etwa 20 Millionen Jahre alt, bedeckt rund 15.000 Hektar und macht ungefähr 20 Prozent der Insel aus. Seit 1999 gehört er zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Und wenn man dort unterwegs ist, versteht man auch schnell, warum.

Teilweise fühlt man sich eher wie in einem Fantasyfilm (Jurassic Park) als auf einer portugiesischen Insel mitten im Atlantik. Nebel hängt zwischen den Bäumen, überall ist es grün, Wasser fließt an den Hängen entlang und hinter der nächsten Kurve könnte theoretisch jederzeit ein Dinosaurier auftauchen.

Die Levadas – ein gigantisches Wasserleitungssystem mit Wanderweg

Eine weitere Besonderheit Madeiras sind die berühmten Levadas.

Dabei handelt es sich um künstlich angelegte Wasserkanäle, die ursprünglich gebaut wurden, um Wasser aus den feuchteren Regionen der Insel in trockenere Gebiete zu transportieren. Entlang vieler dieser Kanäle verlaufen heute Wanderwege. Allein das Levada-Netz wird mit rund 3.000 Kilometern angegeben. (Visit Madeira)

Das Ergebnis: Man wandert durch Wälder, an Wasserfällen vorbei, durch Tunnel und teilweise an ziemlich steilen Berghängen entlang.

Die Levadas sind also im Grunde eine Mischung aus historischem Bewässerungssystem und einem Wanderparadies.

Oder anders gesagt: Auf Madeira wurde aus einer Wasserleitung einfach eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen der Insel.

Auf Madeira ist die Banane ein echtes Kulturgut

Bananen gibt es überall auf der Welt. Aber auf Madeira nimmt die Sache eine etwas andere Dimension an.

Die Banane aus Madeira ist kleiner, süßer und cremiger als viele Bananen, die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie wird auf den fruchtbaren Vulkanhängen angebaut und besitzt sogar eine geschützte geografische Angabe.

Und natürlich bleibt es nicht bei der klassischen Banane als Snack.

Auf Madeira wird sie unter anderem auch zusammen mit Degenfisch serviert. Ja, richtig gelesen: Fisch mit Banane.

Klingt zunächst wie ein Gericht, das jemand nach einem sehr kreativen Abend erfunden hat. Schmeckt aber tatsächlich erstaunlich gut und gehört zu den bekannten Spezialitäten der Insel.

Madeirawein ist kein normaler Wein

Der berühmte Madeirawein hat eine ganz besondere Geschichte und Herstellung.

Durch ein spezielles Verfahren wird der Wein erwärmt und entwickelt dadurch seinen charakteristischen Geschmack. Madeirawein ist außerdem erstaunlich haltbar und wurde schon vor Jahrhunderten auf langen Seereisen transportiert.

Man könnte also sagen: Dieser Wein hat deutlich mehr Reiseerfahrung als die meisten Urlauber.

Cristiano Ronaldo ist auf Madeira praktisch nicht zu übersehen

Funchal ist der Geburtsort von Cristiano Ronaldo.

Sein Name begegnet einem auf Madeira an mehreren Stellen, und auch der internationale Flughafen trägt heute seinen Namen: Cristiano Ronaldo Madeira International Airport.

Ob Fußballfan oder nicht – auf Madeira kommt man an CR7 nur schwer vorbei.

Und selbst wer eigentlich nur wegen der Natur auf die Insel gereist ist, wird vermutlich irgendwann feststellen: Diese Insel hat nicht nur hohe Berge, sondern auch ziemlich große Fußballgeschichte.

Auf Madeira fährt man mit einem Korbschlitten bergab

Eine der wohl ungewöhnlichsten Attraktionen der Insel befindet sich in Monte oberhalb von Funchal.

Dort kann man mit einem traditionellen Korbschlitten, den sogenannten Carros de Cesto, bergab fahren.

Zwei Männer in traditioneller Kleidung stehen hinten auf dem Schlitten, lenken und bremsen – während die Passagiere vorne sitzen und sich hoffentlich nicht ständig fragen, warum sie gerade freiwillig in einem Korb eine Straße hinunterfahren.

Die Tradition geht bis ins 19. Jahrhundert zurück und war ursprünglich tatsächlich ein Transportmittel.

Heute würde man vermutlich sagen: Historischer Nahverkehr mit deutlich mehr Adrenalin.

Eine Insel, aber keine typische Badeinsel

Wer kilometerlange Sandstrände erwartet, könnte auf Madeira zunächst etwas überrascht sein.

Viele Küstenabschnitte sind felsig oder bestehen aus Kieselstränden. Dafür gibt es spektakuläre natürliche Meeresschwimmbecken, zum Beispiel in Porto Moniz, wo das Atlantikwasser zwischen vulkanischen Felsen badet.

Und wer unbedingt ausgedehnte Sandstrände sucht, findet sie auf der Nachbarinsel Porto Santo, die ebenfalls zum Madeira-Archipel gehört.

Madeira selbst ist eben eher die Insel für Menschen, die beim Blick auf einen Berg denken: „Da oben müsste es doch einen Aussichtspunkt geben.“

Eine Insel, die eigentlich viel größer wirkt

Das vielleicht Interessanteste an Madeira ist aber, dass die Insel auf der Landkarte relativ klein aussieht, sich vor Ort aber deutlich größer anfühlt.

Das liegt an den Bergen, den Tälern, den kurvigen Straßen und den ständig wechselnden Landschaften.

Man fährt ein paar Kilometer und befindet sich plötzlich in einer völlig anderen Welt.

Eben noch Palmen und Atlantik. Zehn Minuten später Nebel, Berge und dichter Wald. Danach wieder ein kleines Dorf mit steilen Straßen und einer Aussicht, bei der man automatisch das Auto anhalten möchte.

Madeira geht auch durch den Magen – eine kulinarische Reise über die Insel

Wer nach Madeira reist, sollte unbedingt mit Appetit ankommen. Denn die Insel hat kulinarisch deutlich mehr zu bieten als Poncha und ein Stück Bolo do Caco. Zwischen Atlantik, Bergen, fruchtbaren Vulkanböden und subtropischem Klima hat sich eine Küche entwickelt, die erstaunlich vielseitig ist.

Und genau das macht das Essen auf Madeira so interessant: Man kann mittags frischen Fisch direkt am Atlantik genießen, abends einen kräftigen Fleischspieß bestellen und zwischendurch exotische Früchte probieren, deren Namen man vorher wahrscheinlich noch nie gehört hat. Die madeirische Küche verbindet regionale Produkte, jahrhundertealte Traditionen und mittlerweile auch moderne Gastronomie.

Bolo do Caco – Brot, das eigentlich viel mehr als nur Brot ist

Fangen wir mit einem echten Klassiker an: dem Bolo do Caco.

Wer einmal auf Madeira war, wird diesem Brot kaum entkommen. Und ehrlich gesagt gibt es auch keinen Grund dazu. Traditionell wird es warm serviert und mit Knoblauchbutter und Petersilie bestrichen. Außen leicht knusprig, innen weich – und gefährlich lecker.

Besonders beliebt ist auch der Prego no Bolo do Caco, bei dem das Brot mit einem Steak gefüllt wird. Spätestens hier merkt man: Auf Madeira wird ein kleiner Snack durchaus ernst genommen.

Durch die Lage mitten im Atlantik spielen Fisch und Meeresfrüchte natürlich eine große Rolle in der madeirischen Küche.

Neben dem schwarzen Degenfisch findet man beispielsweise Thunfischsteaks und verschiedene Meeresfrüchte auf den Speisekarten. Besonders typisch sind Lapas, gegrillte Napfschnecken, die meist heiß serviert und mit Butter und Zitrone verfeinert werden.

Nicht unbedingt etwas für jeden Geschmack – aber genau dafür reist man ja schließlich. Um Dinge zu probieren, die man zu Hause wahrscheinlich nicht jeden Dienstag auf den Tisch stellt.

Tradition trifft moderne Küche

Was uns auf Madeira besonders gefallen hat: Die Insel kann beides.

Da gibt es kleine, traditionelle Restaurants, in denen Gerichte serviert werden, die seit Generationen zur regionalen Küche gehören. Gleichzeitig hat sich besonders in Funchal eine moderne Gastronomieszene entwickelt, in der traditionelle Zutaten kreativ und zeitgemäß neu interpretiert werden.

So kann man an einem Tag ganz bodenständig Espetada und Bolo do Caco essen und am nächsten Abend erleben, was moderne Köche aus Fisch, tropischen Früchten und regionalen Produkten machen.

Die Küche Madeiras ist genauso abwechslungsreich wie die Insel selbst.

Hier trifft der Atlantik auf die Berge, traditionelle Hausmannskost auf moderne Küche und manchmal sogar Fisch auf Banane. Und genau das macht die kulinarische Reise über Madeira so spannend.

Der Fisch ist ein Viperfisch (Chauliodus sp.). In den Gewässern rund um Madeira kommen mehrere Tiefseearten dieser Gattung vor, und sie landen gelegentlich als Beifang in den Fischhallen von Funchal.

Extrem lange Fangzähne, die selbst bei geschlossenem Maul sichtbar sind. Große, nach oben gerichtete Augen zum Sehen im schwachen Licht der Tiefsee. Schlanker, pechschwarzer Körper, typisch für Tiefseefische. Der lange erste Rückenflossenstrahl, der als Köder dienen kann.

Mein Tipp: Nicht immer das bestellen, was man schon kennt. Einfach mal ausprobieren.

Vielleicht steht am Ende ein schwarzer Degenfisch mit Banane auf dem Teller, eine Frucht aus einer Zimmerpflanze als Dessert und ein Bolo do Caco als Beilage.

Und plötzlich stellt man fest: Madeira kann nicht nur Landschaft. Madeira kann auch ziemlich gut schmecken.

Mein Tipp ist die 90° Bar | Grill | Restaurant liegt in Ponta do Sol an der Südküste Madeiras – genauer am Caminho das Fontes. Das kleine Restaurant ist vor allem für seine spektakuläre Lage oberhalb des Atlantiks und den Blick auf das Meer bekannt. Besonders zum Sonnenuntergang soll die Aussicht beeindruckend sein.

Kulinarisch liegt der Schwerpunkt auf portugiesischer Küche und Fisch bzw. Meeresfrüchten. Häufig empfohlen werden beispielsweise Espada (Schwarzer Degenfisch), Oktopus und frischer Fisch. Daneben gibt es auch Fleischgerichte und Pasta. Einige Gäste beschreiben insbesondere den Fisch als herausragend.

Das Restaurant ist relativ klein und gemütlich, weshalb eine Reservierung empfehlenswert ist. Gerade die Plätze mit Meerblick sind begehrt. Aktuell wird es mit ungefähr 20–40 € pro Person eingeordnet.

Wenn du auf Madeira einen schönen Abend mit gutem Essen, Meerblick und Sonnenuntergang suchst, ist das 90° definitiv einen Besuch wert.

Fazit

Madeira ist für uns keine Insel, die man einfach nur besucht.

Madeira ist eine Insel, die man erlebt.

Sie ist grün, wild, bergig, manchmal sonnig, manchmal wolkig und landschaftlich so abwechslungsreich, dass man sich regelmäßig fragt, ob man wirklich noch auf derselben Insel ist.

Und genau das macht Madeira so besonders.

Wer hier nur am Pool bleibt, verpasst wahrscheinlich einen großen Teil der Insel. Wer dagegen losfährt, wandert, durch kleine Dörfer schlendert und auch einmal spontan irgendwo anhält, wird feststellen: Madeira ist voller Überraschungen.

Manchmal liegen sie hinter der nächsten Kurve. Und manchmal muss man erst ein paar hundert Höhenmeter überwinden, um sie zu sehen.

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